Gratwanderung – Bewegung und Begegnung auf den Spuren von Revolution, Diktatur Flucht und Widerstand in Katalonien 2019 

Politische Reise nach Katalonien (Spanien und Frankreich) am 15.-21. September 2019

Das Ende des spanischen Bürgerkriegs, mit dem die Spanische Revolution im Jahr 1939 ein jähes Ende fand, jährt sich 2019 zum achtzigsten Mal. Zeit für einen tieferen Blick in die Historie und Gegenwart der bewegten Region Katalonien, die eine Hochburg der Revolution 1936 war.

Die fünftägige Bildungsreise führt uns auf die Spuren dieser „verlorenen Geschichte“ in den Norden Kataloniens, in die Grenzregion zwischen Spanien und Frankreich.

Ziel der Reise ist es, einen Überblick über die historischen Ereignisse Revolution, Bürgerkrieg Flucht, Exil und Widerstand gegen die franquistische Diktatur zu geben. Des Weiteren wollen wir uns mit dem heutigen Umgang mit der Geschichte in Spanien beschäftigen und einen Einblick in die Erinnerungspolitische Bewegung und den Kampf um Erinnerung vermitteln. An allen Orten kommen wir mit Zeitzeug*innen, Angehörigen, Geschichtsaktivist*innen und Historiker*innen ins
Gespräch und fragen: Wie wurde die Diktatur erlebt und wie formierte sich der Widerstand dagegen? Welche Bedeutung hat der Spanische Bürgerkrieg und die bis 1975/77 andauernde Diktatur für die spanische Gesellschaft heute? Wie wird in Spanien Bürgerkrieg und Diktatur be- und verarbeitet?

Wir erschließen uns die Geschichte durch Wanderungen auf den Wegen von „damals“, besuchen Museen und Gedenkstätten in Spanien und Frankreich, treffen Zeitzeug*innen, die uns von ihrer Arbeit im Widerstand gegen Franco berichten und tauschen uns in der Reisegruppe über unsere Eindrücke und politischen Analysen aus.

Der Spanische Bürgerkrieg war weichenstellend für den späteren Geschichtsverlauf, den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit all seinen furchtbaren Folgen. Wir wollen die eigene Erinnerung, unser kritisches Bewusstsein schärfen und entgegen dem staatlich oft „gepflegten“ Vergessen, selbiges bewahren und weiterentwickeln.
Bis heute ist die Beteiligung des nationalsozialistischen Deutschlands auf franquistischer Seite nicht ausreichend aufgearbeitet, dabei ist inzwischen unumstritten, dass der franquistische Putsch ohne die deutsche Luftbrücke bereits in den ersten Wochen zusammengebrochen wäre. Auch die menschenrechtswidrigen Bombardierungen der Legion Condor von Städten wie Gernika oder die Auslieferung des katalanischen Präsidenten Lluis Companys von der Gestapo an die Franquit sind bis heute nicht Teil der deutschen Erinnerungspolitik.

Zum Programm

In den fünf Tagen wandern wir unter anderem auf einer der Exilrouten, auf der 1939 tausende Menschen – Zivilist*innen und führende Politiker*innen – auf der Flucht vor den vorrückenden Truppen Francos nach Frankreich geflüchtet sind. Wir besuchen das Exilmuseum MUME, das den historischen Bogen vom Sieg der faschistischen Truppen Francos bis hin zu dessen Tod schlägt und dessen Schwerpunkt die Geschichte des Exils ist. Außerdem besuchen wir die französische Gedenkstätte für das Lager von Rivesaltes, das zeitweise als Internierungslager für Geflüchtete des Spanischen Bürgerkriegs diente und von wo aus später politische Gegner*innen und Verfolgte des NS-Regimes teilweise in NS-Vernichtungslager deportiert wurden. Wir laufen die nach den kommunistischen Berliner Fluchthelfer*innen Lisa und Hans Fittko benannte „F-Route“ von Banyouls/Frankreich nach Portbou/Spanien und begeben uns dort auf die Spuren des Philosophen Walter Benjamin. Wir treffen Maria José Pardo und Elia Martínez-Cava, die im antifranquistischen Widerstand der 1960er/70er Jahre aktiv waren sowie Enric Melich, der nach seiner Flucht aus Spanien in der französischen Resistance gegen die Nationalsozialisten und später als Maqui (Selbstbezeichnung der spanischen Partisan*innen) gegen Franco gekämpft hat. Zwischendrin gibt es auch Gelegenheiten, kurz ins Mittelmeer zu hüpfen.
Für die Wanderungen wird gutes Schuhwerk und eine gute Grundkondition benötigt.

Termin: 15.-21. September 2019

Leitung: Frauke Büttner, Silke Hünecke, Alexandra Wix

Frauke Büttner, Silke Hünecke, Alexandra Wix sind drei Aktivistinnen, die sich seit vielen Jahren mit der Geschichte und der aktuellen Situation in Spanien, vor allem in Katalonien, beschäftigen. Alle drei setzten in der Vergangenheit gemeinsam mit weiteren Aktivist*innen bereits mehrere selbstorganisierte geschichtspolitische Reisen in die Region um.

Frauke Büttner ist Politologin und schrieb ihre Diplomarbeit zu linken Organisationen und nationaler Frage in Katalonien. Sie arbeitet heute im Themenfeld Argumentations- und Handlungsmöglichkeiten gegen Rechtsextremismus und Rassismus.

Silke Hünecke ist Politikwissenschaftlerin und verfasste ihre Doktorarbeit zur Erinnerungspolitischen Bewegung in Spanien. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei den Europastudien an der TU Chemnitz mit dem Schwerpunkt Spanien.

Alexandra Wix ist Psychologin, Kulturschaffende und betreibt die Agentur Malavidamusic. Sie lebt zurzeit in Portbou und baut dort das Tagungshaus i.G. „Villa Antonia“ auf.

Teilnahmebeitrag: ca. 650 Euro. Im Preis enthalten sind: Unterkunft in 4-Personen-Appartments (Doppel- oder Einzelzimmer mit Aufschlag möglich), Transport von Ort zu Ort, Führungen, Vorträge, Touren, Begrüßungs- und Abschiedsessen, Übersetzungen. Wir wohnen in Portbou und starten von dort aus täglich zu den verschiedenen Orten unserer Reise.

Anreise: nach Portbou (Spanien) auf eigene Kosten (Flüge nach Girona, Barcelona oder Perpignan (F), Zug direkt nach Portbou).

Die Teilnehmer*innen sind für das Buchen der Flüge oder die Organisation ihrer An- und Abreise mit anderen Verkehrsmitteln selbst verantwortlich.

Bildungsurlaub: Auf Wunsch wird für die Reise eine Anerkennung nach dem Berliner Bildungsurlaubsgesetz als Bildungsurlaub beantragt. Eine Anerkennung in weiteren Bundesländern hängt von den dortigen Richtlinien ab.

Weitere Infos und Interessebekundung: katalonien@iak-net.de.

Katalonien 2019
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