Verschoben auf den 22.02.-08.03.2019!

Demonstration in Bandung, Indonesien, nach dem Ende 2011 in der autonomen Provinz Aceh 65 Jugendliche von der Polizei festgenommen und sich verschiedenen militärischen und religiösen „Umerziehungsmaßnahmen“ fügen mussten.

In Indonesien, das sich seit 1998 in einem postdiktatorischen demokratischen System befindet, stellen Zivilgesellschaft und bürgerschaftliches Engagement seit dem Ende der Diktatur eine zentrale Kraft der politischen Partizipation am Demokratisierungsprozess des Landes dar.

Seit Beginn der Militärdiktatur durch General Suharto ab 1965 wurden gesellschaftliche Teilhabe und Meinungsfreiheit beschnitten, verboten oder unter Strafe gestellt. Erst mit dem voranschreitenden Ende der Diktatur in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren konnten sich bürgerschaftliche Forderungen nach politischen Veränderungen und zivilgesellschaftliches Engagement entwickeln. Ein wichtiger Akteur in dieser Zeit des politischen Umbruchs waren die Studentenbewegung und verschiedene Jugendorganisationen. Besonders die junge Generation setzte viele Hoffnungen in das neue demokratische System, das sich unter anderem durch die langen und zum Teil gewalttätigen Proteste 1998 entwickelte. Sie hofften auf Freiheit, Fortschritt und soziale Gerechtigkeit.

2018 jähren sich diese einschneidenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen zum zwanzigsten Mal. Wie ist der Demokratisierungsprozess in den letzten 20 Jahren verlaufen? Wie haben sich die politischen Forderungen von damals umgesetzt? Welche gesellschaftlichen Probleme werden heute durch politischen Protest und Aktivismus angegangen? Und im Besonderen: welche Grenzen hat politisches Engagement heute? Der Fokus unserer Reise soll auf politischem Aktivismus liegen, also politischem Engagement fernab von Parteiarbeit. Wir möchten schauen, wie von gesellschaftlicher und staatlicher Seite das Engagement aufgenommen wird und Erfolge erzielt bzw. durch Restriktionen unterbunden werden. Im Vergleich zu den politischen Aktivitäten von 1998 und den Erfahrungen aus jener Zeit soll der Blick auf Möglichkeiten und Grenzen von politischem Aktivismus heute geworfen werden.

Thematisch wollen wir uns auf unserer Reise besonders auf die junge Generation in Indonesien konzentrieren. Jene Generation, die in der Zeit der indonesischen Militärdiktatur geboren wurde und an den Umbruchereignissen 1998 beteiligt war., und im Vergleich junge Menschen heute, die gesellschaftliche Missstände wahrnehmen und aktiv dagegen angehen möchten.

Die Themenfelder sind hier weit offen. Anders als auf unseren bisherigen Reisen nach Indonesien möchten wir uns nicht einem thematischen Schwerpunkt widmen (z.B. Islamisierung oder Arbeitsmigration), sondern vielmehr nach Möglichkeiten und Grenzen von politischer Partizipation schauen.

Wir möchten Gruppen treffen, die sich mit den Themen Feminismus, LGBTIQ*, Umwelt, Militarismus, Gentrifizierung oder dem Umgang mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Allen gemein ist der politische Aktivismus, zum Teil in institutionellen Organisationen wie NGOs oder aber auch in sehr radikalen Formen einer Protestbewegung. Hauptsächlich wird unsere Reise in den beiden Großstädten Yogyakarta und Jakarta stattfinden. Dort werden wir unter anderem auf Künstler_innenkollektive treffen, die bereits 1998 aktiv an den Umbruchereignissen dieser Zeit teilgenommen haben und auch heute noch Protest und künstlerischen Aktivismus verbinden. Hier soll besonders der Vergleich zur politischen Arbeit vor 1998, der Zeit danach und den Möglichkeiten und Grenzen 20 Jahre später gezogen werden. Ebenso werden wir uns mit Gruppen von jungen Menschen treffen, die sich sehr aktiv in den Themen LGBTIQ* und Feminismus engagieren und oft staatlicher oder gesellschaftlicher Repression ausgesetzt sind. Ebenso werden wir Gruppen besuchen, deren Schwerpunkte Gentrifizierung und Landnahme sind. Wir werden schauen, welche Erfolge und Misserfolge ihr Engagement hat. Und wir möchten mit Menschen diskutieren, die seit 1998 die Möglichkeit haben, eine strafrechtliche und kulturgeschichtliche Aufarbeitung der Ereignisse aus den Jahren 1965/66 zu fordern, jedoch noch immer auf sehr breiten gesellschaftlichen und staatlichen Widerstand stoßen.

Grundsätzlich soll den Fragen nach der Notwendigkeit von Radikalität und Konformität politischen Engagements und dem Umgang mit staatlichen und gesellschaftlichen Restriktionen politischer Partizipation nachgegangen werden.

Ziel ist es, über gesellschaftliche Problemlagen Indonesiens zu sensibilisieren und den Menschen aus Indonesien ein Forum zu bieten über ihre politischen Arbeiten und ihr Engagement zu berichten. Natürlich soll das nicht einseitig geschehen, sondern es wird erwartet, dass alle Teilnehmer_innen eingebunden werden und natürlich ebenso die Möglichkeit besteht, über Dialog und Austausch von unseren Erfahrungen in Deutschland zu berichten und somit gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Über eine solidarische Zusammenarbeit würden sich die Aktivist_innen in Indonesien sehr freuen.

Leitung: Melanie Rennert. Melanie ist zur Zeit Doktorandin an der Universität Hamburg und forscht zu Frauen in der Punkszene in Indonesien und sozialen Konflikten mit der Mehrheitsgesellschaft.

Voraussichtlicher Termin: 22.02. bis 08.03.2019

Auf einem Vorbereitungstreffen sollen gemeinsam Interessenschwerpunkte besprochen und allgemeine Informationen zur politischen und kulturellen Situation in Indonesien vermittelt werden.

Teilnahmebeitrag: ca. 1.500€. Im Preis enthalten sind Flug, Unterkunft im Doppelzimmer (Einzelzimmer mit Aufschlag möglich) mit Frühstück, Transport von Ort zu Ort und vor Ort, ggf. gemeinsame Abendessen. Ggf. kann sich der Preis verringern, es hängt auch von der Unterkunftsart ab für die wir uns entscheiden, sowie den Flugdaten. Die Reise kann auf eigene Kosten verlängert werden.

Bildungsurlaub: Auf Wunsch wird eine Anerkennung als Bildungsurlaub nach dem Berliner Bildungsurlaubsgesetz beantragt. Ob die Reise in anderen Bundesländern auch anerkannt wird, muss im Detail geklärt werden.

Weitere Infos und Interessebekundung: indonesien@iak-net.de

Indonesien: Zivilgesellschaft 20 Jahre nach der Militärdiktatur
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